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Hagen, 08. Juli 2010

Leserbrief zum WR-Artikel „Junge Liberale sorgen sich um die NRW-Bildungspolitik“ vom 05.07.2010
von Nesrin Öcal, Hochschulsprecherin der Jusos Hagen

Mit großem Befremden haben die Hagener Jusos das Statement der JuLis Hagen in Sachen Bildungspolitik zur Kenntnis genommen, welches jedoch eher in die Kategorie „Realitätsverweigerung“ einzuordnen ist, als das es wirklich eine Stellungnahme zur Bildungspolitik darstellt. Augenscheinlich ist es beim FDP-Nachwuchs noch nicht angekommen, dass sie auch aufgrund ihrer verfehlten Bildungspolitik in den letzten 5 Jahren vom Wähler in NRW abgewählt worden sind.

Die JuLis sind laut eigener Aussage besonders besorgt darüber, dass eine von Hannelore Kraft als Ministerpräsidentin angeführte rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf die Studiengebühren und Kopfnoten wieder abschafft und unseren Kindern die Chance auf ein längeres gemeinsames Lernen ermöglicht. Diese Aussage bereitet vielmehr Sorgen um den in starkem Maß ideologisch geprägten, bildungspolitischen Offenbarungseid der Jungen Liberalen als dass man sich um den Bildungsstandort NRW Sorgen machen müsste. Ganz im Gegenteil. Stellen wir uns die aus Sicht der FDP-Nachwuchsorganisation besorgniserregende Bildungspolitik einer rot-grünen Landesregierung doch einmal beispielhaft vor: Da wären Kinder, welche nicht mehr im Alter von 9 oder 10 Jahren in unterschiedliche Schulformen aufgeteilt würden. Es würden keine vorschnellen (Fehl-) Entscheidungen mehr über ihren zu erlangenden Abschluss getroffen werden, die in ihrer weiteren Schullaufbahn nur schwer zu korrigieren sind. Es gäbe keine solchen Entscheidungen mehr, die allzu oft auch vor dem Hintergrund der sozialen Herkunft und nicht dem eigentlichen, oft erst später realistisch einzuschätzendem Begabungspotenzial der Kinder getroffen werden. Stattdessen würde den Kindern die Chance eröffnet, zeitlich viel länger als bisher gemeinsam zu lernen, sich dabei gemeinsam weiterzuentwickeln und voneinander zu profitieren. Darüber hinaus fänden sich auch Abiturienten, welche nicht die Sorge plagt, ob sie sich die Studiengebühren und damit ein Hochschulstudium überhaupt finanziell leisten können oder sich trotz einer ungewissen Zukunft bereits in jungen Jahren hoch verschulden müssten. Also keinen sorgenvollen Blick mehr werfen müssten in das Portemonnaie der Eltern, das immer noch allzu oft über die Chance eines erfolgreichen Studiums entscheidet.

Wie klingt diese Vorstellung von einer neuen Bildungspolitik in NRW? Besorgniserregend? – Nein, besorgniserregend sind vielmehr die politischen Vorstellungen der JuLis Hagen, wonach Chancengleichheit und eine Öffnung des Bildungssystems auch gegenüber nicht privilegierten, sozial schwachen Mitgliedern unserer Gesellschaft ganz offenkundig nicht wirklich gewollt sind.


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